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Naturnahes Leopardgecko-Terrarium Foto: Esther Laue
Naturnahes Leopardgecko-Terrarium Foto: Esther Laue

Ein Interview mit Leopardgecko-Expertin Esther Laue zu naturnahen Terrarien

Esther achtet auf exzellente und moderne Beleuchtung- bei der Einrichtung macht sie jedoch einen großen Bogen um Zoogeschäfte. Sie holt sich Steine, Äste und andere Einrichtungsgegenstände aus der Natur und arrangiert sie zu tiergerechten und äußerst attraktiven Terrarien. Das macht sie auch für Leopardgeckos.

 

Karsten: Hallo Esther! Was macht für Dich den Reiz eines naturnah eingerichteten Terrariums aus?

 

Esther: Wir können sicher alles künstlich basteln und das Tier dann einfügen. Das gibt mir aber nichts. Unsere Tiere sind ein Bestandteil der Natur, also möchte ich ihnen Natur zum Leben geben. Dieses Ziel ist zum Teil einfacher, zum Teil aber auch schwer zu erreichen. Man muss die Natur lieben und sie nicht als Feind betrachten und man muss sie achten, statt sie zu beugen. Respektiert man sie, ist es leicht sie zu nutzen. Der Reiz ist also mit ihr zu arbeiten. Ein naturnahes Terrarium - wenn es wirklich lebt - ist mein Lohn.

 

Karsten: Deine Terrarien sind eine Augenweide. Wo holst Du Dir Deine Inspirationen für die Einrichtung?

 

Esther: Das ist einfach: die Natur ist Vorbild.


Esther Laue stellt sich vor: "Ich bin über 40 Jahre Terrarianerin. Die Leopardgeckos sind die ältesten Tiere in meinem Bestand. Mit ihnen verbinden sich persönliche Geschichten. Vielleicht bin ich besonders verbissen hinter Geheimnisse zu kommen und ich denke, je länger man an einer Spezies dran bleibt, desto mehr Antworten bekommt man."


Grabfähiges Substrat- hier funktioniert es! Foto: E. Laue
Grabfähiges Substrat- hier funktioniert es! Foto: E. Laue

Karsten: Um die Wahl des Bodengrunds für Leopardgeckos gibt es ja im Internet teilweise epische Schlachten. Welchen Bodengrund verwendest Du in Deinen Terrarien?

 

Esther: Mein Bodengrund ist eine Mischung aus Erde, Sand und Lehm. Ich hole das tief aus der Erde eines Gartens. Man muss richtig graben, bis diese Schicht freigelegt ist. Man kann den gemischten und noch feuchten Bodengrund formen und in der Hand Klumpen bilden. Getrocknet hat man dann eine Bodenstruktur ähnlich einer Halde.

 

Karsten: Hast Du keine Angst, dass die Leopardgeckos das fressen und Verstopfung davon bekommen?

 

Esther: Nein, selbst wenn sie wirklich Boden beim Fressen aufnehmen, ist das aus meiner Sicht ein normaler Ablauf. Wird Bodengrund aufgenommen, so haben die Leopardgeckos diesen meiner Meinung nach benötigt um Nahrung im Darm aufzuspalten. Die Gefahr entsteht erst dann, wenn die Verdauung nicht richtig funktioniert- daran ist dann aber nicht der Bodengrund schuld, sondern Haltungsfehler.

 

Karsten: Was verwendest Du noch in Deinen Terrarien?

 

Esther: Sehr viele unterschiedlich große Steine, Wurzeln und Gräser/Kräuter/Gestrüpp.

 

Karsten: Du hast gar keine Wet-Boxen. Wie sorgst Du für feuchtere Bereiche?

 

Esther: Es ist wie in der Natur, der Boden ist strukturiert und geht einige Etagen tief. Liegen Steine in Schichten, ist es oben trocken und warm. Legt man die Hand unter die Steine, ist es kalt und feucht. Genau das biete ich auch: Mikroklimabereiche. Feucht wird es z.B. indem ich eine Wasserschale auf einer solchen Steinformation platziere. Die Wasserschale verliert Feuchtigkeit in diese Steine. Zwischen den Steinen ist zudem Erde/Sand-Gemisch, das grabfähig bleibt.

Abwechslungsreiche Einrichtung für die Geckos Foto: E. Laue
Abwechslungsreiche Einrichtung für die Geckos Foto: E. Laue

 

 

Karsten: Hast Du im Terrarium auch Dinge, die nicht natürlich sind?

 

Esther: Ja ich baute eine Höhle mit einem Dach als Heizstein. Das simuliert am Abend einen Stein, der von der Sonne aufgewärmt wurde.

 

Karsten: Züchtest Du Deine Leopardgeckos?

 

Esther: Das Weibchen brachte bis zum 25. Lebensjahr regelmäßig Gelege. Es schlüpften immer Weibchen. Zu der Zeit gab es eine lange Warteliste mit Vorbestellungen. Dann stellte sie die Eiproduktion ein. Im Alter von 34 Jahren gab es dann ein von mir völlig unbemerktes Gelege- denn ich fing plötzlich ein frisch geschlüpftes Tier aus dem Terrarium der Eltern! Nach intensiver Suche fand ich ein weiteres Ei, das kurz vor dem Schlupf stand. Diese naturnahe Inkubation ist für mich die Bestätigung am Punkt der korrekten Haltung zu sein.

Hier fühlt sich der Leopardgecko sichtlich wohl! Foto: E. Laue
Hier fühlt sich der Leopardgecko sichtlich wohl! Foto: E. Laue

 

Karsten: Was rätst Du Personen, die sich Dinge aus der Natur holen wollen? Wo kann man schöne Einrichtungsgegenstände finden? Muss man diese irgendwie vorbereiten bevor sie ins Terrarium dürfen?

 

Esther: Ich hole aus Brachland Steine und Wurzeln. Im späten Herbst kann man Trockengräser schneiden, aber auch Lianen lassen sich von Bäumen sägen. Ich persönlich dusche die Sachen allenfalls ab. Ansonsten möchte ich den gesundenTeil der Naturprodukte so wenig es geht stören. Mir persönlich ist es wichtig, dass sich meine Tiere damit auseinander setzen können- es ist ihrem Immunsystem dienlich.

 

Karsten: Vielen Dank für das interessante Interview voller Denkanstöße!

 


Hast Du auch natürliche Materialien in Deinem Terrarium?

Hast Du andere Erfahrungen als Esther gemacht?

 

Ich freue mich auf Deine Story in den Kommentaren!

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Kommentare: 1
  • #1

    Alexander Hörl (Sonntag, 01 April 2018 18:09)

    Faszination pur.
    Diese Hingabe und der Erfolg sprechen für sich.