Krieg der Fliesen

Krieg der Fliesen Leopardgeckos Mosaik Naturstein

Vor einigen Jahren begannen verschiedene Leopardgecko-Halter Steinfliesen als Bodengrund zu verwenden und diese mit Fliesenkleber im Terrarium zu befestigen. Seit dieser Zeit toben im Internet erbitterte Kriege um die Vor- und Nachteile dieser Haltungsform.

 

Was ist besser: Fliesen oder Sand/Lehm-Gemisch?

 

Lassen wir die beiden Bodengrund-Arten doch einmal in verschiedenen Disziplinen gegeneinander antreten!

Der Kampf ist hart:

Die Fliesen-Fans führen an, dass man durch Natursteinfliesen als Bodengrund die Gefahr des Sandfressens ausschließt. Die Sand-Lehm-Verteidiger entgegnen, dass die Fliesen im Terrarium hässlich aussehen sowie unnatürlich und als dauerhafter Untergrund zu hart sind. Aber welche Gruppe hat jetzt recht und welcher Bodengrund ist besser?

 

Lassen wir die beiden Varianten doch einmal in verschiedenen Disziplinen gegeneinander antreten:

Runde 1: Materialwahl

Die Auswahl geeigneter Steinfliesen ist schwierig. Sind sie zu porös, kann man sie nicht gut reinigen. Sind sie aber zu glatt, finden die Geckos keinen anständigen Halt. Bei der Wahl des richtigen Sand und Lehms, ist auch auf einiges zu achten. Hat der Lehm zu wenig Tonanteil, wird das Gemisch nicht fest genug. Der Sand darf keine Zusätze enthalten. Fliesen, Fliesenkleber und Sand/Lehm-Gemisch haben allesamt ein hohes Gewicht. Hier lässt sich kein klarer Sieger ausmachen.

Gleichstand: 1:1

 

Ein Mosaik aus Naturstein-Fliesen
Ein Mosaik aus Naturstein-Fliesen

Runde 2: Luftfeuchte

Sand Lehm Leopardgeckos Bodengrund
Das Sand-Lehm-Gemisch nimmt die Feuchtigkeit auf und gibt sie langsam wieder ab.

Sand-Lehm-Gemisch hat einige nützliche physikalische Eigenschaften. Eine ist, dass Lehm Feuchtigkeit aufnimmt und kontinuierlich wieder abgibt. Das wird übrigens bis heute im modernen Hausbau genutzt:. Mit Lehm verputzte Wände verbessern das Raumklima in Wohnungen spürbar. Und genau das Gleiche passiert auch im Terrarium. Viele Terrarien haben eine sehr geringe Luftfeuchte (oftmals dauerhaft unter 30%). Leopardgeckos fühlen sich dabei nicht besonders wohl und verbringen daher sehr viel Zeit in Ihrer Feuchtbox. Hier kann es helfen, etwa zweimal pro Woche ein wenig Wasser im Terrarium zu versprühen. Das Sand-Lehm-Gemisch gibt die Feuchtigkeit dann kontinuierlich wieder ab und die Luftfeuchte wird so leicht angehoben. Bei einem reinen Fliesenboden gibt es diese Möglichkeit nicht. Wenn man hier sprüht, bleibt das Wasser auf den Fliesen stehen und zieht höchstens ein wenig in die Fliesenkleberritzen. Eine längerfristige Verbesserung der Luftfeuchte kann so nicht erreicht werden.

 

 

Also ein klarer Vorteil für das Sand/Lehm-Gemisch.

Dieses geht mit 2:1 in Führung

 

Runde 3: Wärme

Leoaprdgecko Terrarium Fliesen Naturstein Mosaik
Terrarium mit Mosaik-Fliesen. Die Steine heizen sich schnell auf.

Bist Du an einem heißen Sommertag schon einmal barfuß über Steine gelaufen? Das war vermutlich ganz schön heiß.

Steinfliesen heizen sich recht schnell auf und speichern die Wärme ein wenig. Das ist im Terrarium ein Vorteil, da die Geckos – auch nachdem die Spotstrahler ausgeschaltet wurden – diese Restwärme nutzen können. Meistens reicht das aber nicht ganz aus und man muss mit Heizmatten ein wenig nachhelfen. Lehm hat eher eine ausgleichende Eigenschaft. Es isoliert eher und heizt sich nicht so schnell wie Steine auf.

 

Hier haben die Fliesen ein wenig die Nase vorne und es kommt zum Ausgleich!

2:2

 

 

Runde 4: Hygiene

In einem Leopardgecko-Terrarium sammelt sich mit der Zeit einiges an Dreck: Kot, tote Futtertiere, Vitaminpulverreste, ausgelaufenes Wasser und einiges mehr. Das wird rasch unhygienisch, kann gehörig müffeln und die Gesundheit der Geckos negativ beeinflussen. Trockene Reste lassen sich auf Steinfliesen und auf dem Lehmgemisch gut absammeln.

 

Was passiert aber bei feuchten Dingen? Die Steinfliesen saugen hier nichts auf. Kleine Reste trocknen zwar schnell aber größere fangen regelrecht an zu gammeln. Der Fliesenkleber ist porös und kann ein wenig Flüssigkeit aufnehmen- wenn dies jedoch stinkt, hat man verloren. Man kann den Fliesenkleber ja nicht auswechseln. Das Sand-Lehm-Gemisch hingegen saugt Flüssigkeiten auf. So entsteht auch weniger Geruch. An einzelnen besonders beanspruchten Stellen (zum Beispiel dem Kotplatz) kann man regelmäßig den Bodengrund austauschen. Sollte der Lehm insgesamt anfangen zu riechen, kann man ihn austauschen.

 

Hier geht also ein klarer Punkt an das Sand-Lehm-Gemisch

3:2

Runde 5: Gefahr des Sandfressens

Leopardgeckos fressen immer mal wieder ein wenig Bodensubstrat. Das ist ein natürlicher Vorgang -so lange die Geckos gesund sind, artgerecht ernährt und bei den richtigen Temperaturen gehalten werden, ist hier keine Gefahr zu erwarten. Tausende Halter pflegen ihre Leopardgeckos auf festem Sand-Lehm-Gemisch. Auch im Freiland leben sie auf diesem Substrat. Aber ich will es nicht verschweigen: in seltenen Fällen stirbt auch einmal ein Gecko an massiver Sand-Verstopfung im Darm. In diesen Fällen stimmte aber bereits im Vorfeld etwas nicht. Das Risiko ist also insgesamt sehr gering!

 

Ich persönlich bin bereit dieses Risiko einzugehen und meinen Tieren einen naturnahen Bodengrund aus Sand/Lehm-Boden anzubieten. Aber hier muss man fair sein: In einem gefliesten Terrarium gibt es die Gefahr überhaupt nicht.

 

Also ein Punkt für die Fliesenfraktion

3:3

Runde 6: "Behavioral Enrichment"

Hast Du diesen Begriff schon einmal gehört? Er stammt aus der Zootierbiologie. Kurzgefasst geht es darum, dass sich Tiere in Gefangenschaft nicht langweilen müssen. Bei Leopardgeckos erreicht man das durch die Jagd der Futtertiere und ein abwechslungsreiches Terrarium. Eine bekletterbare Rückwand, Sichtschutz, Verstecke und Grabmöglichkeiten sind hier gute Möglichkeiten. Und auch gelegentlich neue Einrichtungsgegenstände um den Geckos Abwechslung zu bieten. Und hier geht das Problem los:

 

Neue Einrichtungsgegenstände lassen sich auf den Fliesen nur schlecht sichern und wirken „aufgesetzt“. Einen lehmigen Bodengrund kann man anfeuchten (und so wieder bearbeitbar machen) und danach neue Einrichtungsgegenstände gut einbringen. Durch die Fliesen wird man sehr unflexibel. Sind sie erst einmal verklebt, sind sie nur schwierig wieder heraus zu bekommen. Natürlich kann man Dinge auf die Fliesen stellen- aber mal ganz ehrlich: So richtig harmonisch und schön sieht das nicht aus. Und praktisch ist es auch nicht. Also aus meiner Sicht:

 

Ein Punkt für das Sand/Lehm-Gemisch

4:3

Leopardgecko Quetschspalte Rückwand Terrarium natürlich naturnah Leopardgecko leckt
Ein guter Materialmix sorgt für Abwechslung bei den Leopardgeckos Foto: Thomas Langethal

Und wie lautet das Endergebnis?

Das Sand-Lehm-Gemisch geht nur ganz knapp in Führung.

Also wie jetzt? Fliesen oder Sand/Lehm-Gemisch?

 

Warum eigentlich „oder“? Es gibt einen echten Königsweg: Man verwendet Steinfliesen UND Sand/Lehm-Gemisch! Wie Ihr lesen konntet, ergänzen sich lehmige Substrate und Steine sehr gut. Und zudem entspricht diese Kombination auch noch der Situation in der Heimat der Leopardgeckos!

 

Wer einen naturnahen und praktischen Bodengrund anbieten möchte, kann aus Sand/Lehm-Gemisch eine Grundstruktur formen und zahlreiche Steine einbringen (Achtung: Sie müssen so im Terrarium sein, dass die Geckos sie nicht untergraben können. Sonst können sie von den nachrückenden Steinen erdrückt werden). Man kann Steinfliesen übrigens auch sehr gut stapeln und dadurch Verstecke und Klettermöglichkeiten schaffen.

 

Die Kombination aus Sand/Lehm-Gemisch und Steinen sieht gut aus, ist optimal für das Terrarienklima, vereinfacht die Pflege und bietet den Leopardgeckos viel Abwechslung.

 

Viel Spaß beim Einrichten der Terrarien!

 

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Kommentare: 4
  • #1

    Thilo Faller (Sonntag, 05 November 2017 22:34)

    Du hast aber ein paar Punkte kräftig ausser acht gelassen :
    -Wird ein Sand-Lehmgemisch in Kombination mit vielen Natursteinen benutzt, hat man weiter unten feuchte, kühlere Zonen, weiter oben auf den Steinen wärmere Stellen, ähnlich der Natur.
    -In einer solchen Kombination(auch mit Naturpflanzen zusätzlich) hatte ich immer Naturschlupf im Terrarium. Folglich suchten die Weibchen immer eher kühlere, feuchtere Zonen zur Ablage auf, als zu warme. Die Eier waren nämlich nie in den wärmeren Zonen zu finden.
    -Futterreste/Kotreste etc. kann man auch gut heutezutage einfach entsorgen, indem man Asseln einbringt.
    -Auf Fliessen würden die Asseln schnell sterben.

  • #2

    Karsten (Sonntag, 05 November 2017 22:54)

    Da hast Du Recht Thilo- das sind ebenfalls sehr gute Punkte, die für eine Kombination aus Sand-Lehmgemisch und Natursteinen sprechen!

  • #3

    Andrea Busch (Donnerstag, 04 Januar 2018 06:39)

    Hallo, hab eben den Beitrag gelesen Fliesen Contra Sand Lehm Gemisch im Terrarium und ich bin Fan von Sand Lehm Gemisch nun wollte ich fragen was Thilo meinte mit Asseln im Terrarium kümmern sich um den Kot der Geckos - stimmt das und welche Asseln sollte man da rein setzen ins Terra- vielen Dank Grüße Andrea

  • #4

    Roman (Mittwoch, 21 März 2018 12:19)

    Ich war ja gespannt und bin - als ausgesprochener Gegner der Haltung auf Fliesen - ein wenig "auf Sturm gebürstet" an das Lesen des Artikels gegangen.

    Grundsätzlich habe ich folgende Probleme mit Fliesen:

    - Keine regulierenden Eigenschaften
    - Kommen im natürlichen Habitat selten vor ;)
    - Zu hart

    Wer sich ein wenig umschaut, der bekommt auch Tonmehl ( => "Lehmpulver") sehr günstig in der Baustoffhandlung oder in der örtlichen Ziegelei. Dazu etwas Sand (Verhältnis kann selbst ausprobiert werden. Ich fahre gut mit 1:5) und fertig. Das ganze ist so günstig, dass man da eigentlich kaum drüber reden muss. Wer Lehmsand aus der Zoohandlung kauft, der zahlt natürlich etwas mehr, muss dann aber nicht mehr selbst mischen ;)